?Fridays for Future“-Aktivisten auf Zinne Das steckt hinter dem Zoff um Gretas Merkel-Besuch

Greta Thunberg gab nach dem Treffen mit Kanzlerin Merkel der Presse Auskunft
Greta Thunberg gab nach dem Treffen mit Kanzlerin Merkel der Presse Auskunft Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Sie kam zu Fu? aus Richtung Bahnhof, begleitet von ?Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer.

Klimaaktivistin Greta Thunberg (17) war am Vormittag zu Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) – genau zwei Jahre nach ihrem ersten Klima-Protest vor dem Reichstag in Stockholm. Doch dieses Treffen sorgte für ordentlich Zoff!

Die Corona-Abstandsregeln wurden bei diesem Treffen definitiv eingehalten
Die Corona-Abstandsregeln wurden bei diesem Treffen definitiv eingehaltenFoto: Steffen Kugler/Bundesregierung/dpa

Satte 90?Minuten hatte die Kanzlerin veranschlagt, um mit insgesamt vier Klimaaktivisten zu sprechen. ?Es ist kein Erfolg, mit Frau Merkel zusammenzusitzen“, ?u?erte eine ?Fridays for Future“ (FFF)-Aktivistin gegenüber der ?taz“. Immerhin habe die Koalition in den vergangenen Jahren ?nicht ann?hernd etwas gemacht, das uns dem 1,5-Grad-Ziel n?herbringt“.

Au?erdem sei das Treffen nicht abgesprochen gewesen, so Konstantin Nimmerfroh von FFF Frankfurt am Main zur ?taz“. Er kritisierte, die Basisgruppen seien erst wenige Tage zuvor über das Vorhaben informiert worden.

?Wir fühlen uns überrannt“, sagte Nimmerfroh deswegen der ?taz“. Auch der Brief Thunbergs vom 16.?Juli an die Staats- und Regierungschefs sei vorab nicht mit der Basis abgestimmt worden.

Louisa Neubauer (mit Fahrrad) holte Greta am Hauptbahnhof in Berlin ab
Luisa Neubauer (mit Fahrrad) holte Greta (2. v. l.) am Hauptbahnhof in Berlin abFoto: ODD ANDERSEN / AFP

Im Anschluss an das Treffen mit Merkel fragte BILD auf der Pressekonferenz nach –?Greta Thunberg und Luisa Neubauer gingen daraufhin auf die Vorwürfe ein:

?Wir haben nie gesagt, dass wir ?Fridays for Future‘ repr?sentieren“, sagte Thunberg, ?wir sprechen nicht für ?Fridays for Future‘“. Und weiter: ??Fridays for Future‘ ist eine Graswurzelbewegung, die aus Individuen besteht. Es ist keine Organisation mit Vertretern. Und auch der Brief war nicht im Namen von ?Fridays for Future‘ geschrieben worden sondern von einzelnen Klimaaktivisten.“

Luisa Neubauer erg?nzte: ?Wir entwickeln uns als Bewegung immer weiter, in der Art, wie wir uns organisieren. Ich habe letzte Woche mit Konstantin telefoniert, und ich bin sicher, dass wir Wege finden werden, ich muss das aber nicht hier machen.“

Zum Treffen selbst sagte Greta Thunberg Merkel sei im Gespr?ch ?nett, sehr freundlich“ gewesen. Sie habe eine gro?e Verantwortung zu tragen, aber auch eine gro?e Gelegenheit, eine richtige Leaderin in Sachen Klima zu werden. Doch das k?nne auch jeder ordentliche Bürger in einer Demokratie werden.

Neubauer sagte: ?Als Physikerin hat sie erneut best?tigt, dass sie die Wissenschaft hinter der Klimakrise versteht. Als Politikerin versteht sie auch, wie komplex die Bek?mpfung der Krise ist. Die Frage ist jetzt, wie diese Lücke dazwischen gefüllt wird.“

? Rückblick: Am 20.?August 2018 setzte sich die damals 15-j?hrige Greta Thunberg zum ersten Mal mit ihrem Schild ?Schulstreik für das Klima“ vor den schwedischen Reichstag in Stockholm und legte damit den Grundstein für die DIE Klimaschutzbewegung unserer Zeit: ?Fridays For Future“ war geboren!

Lesen Sie auch

Das Treffen mit der Kanzlerin ist als informeller Meinungsaustausch über die Klimaziele gedacht.

In dem offenen Brief an alle Staats- und Regierungschefs der EU fordert Thunberg, die Klimakrise endlich als wahre Krise zu behandeln, sonst k?nne man sie nicht l?sen.

?Please keep the distance“, Greta Thunberg bat die Begleiter immer wieder, die n?tige Corona-Distanz einzuhalten
?Please keep the distance“, Greta Thunberg bat die Begleiter immer wieder, die n?tige Corona-Distanz einzuhaltenFoto: ? Peter Müller BILD

Weitere Forderungen in dem Brief:

? Mit sofortiger Wirkung alle Investitionen in die Erforschung und Gewinnung fossiler Brennstoffe beenden.

? Die EU-Mitgliedstaaten müssen sich beim Internationalen Strafgerichtshof dafür einsetzen, ??kozid“ zu einem internationalen Verbrechen zu erkl?ren.

? Einbeziehung der Gesamtemissionen in alle Zahlen und Ziele, einschlie?lich Verbrauchsindex, internationale Luft- und Schifffahrt.

Zu den Unterzeichnern des Briefes geh?ren zahlreiche Prominente, unter anderem Leonardo DiCaprio, Ben Stiller und Udo Lindenberg.

Und: Gestern ver?ffentlichte die britische Tageszeitung ?The Guardian“ einen Kommentar der vier Klimaschützer. Der Inhalt: scharfe Kritik an der Politik!

Es ist nicht deren erstes Treffen: Kanzlerin Merkel im Gespr?ch mit Klima-Greta beim UN-Klimagipfel 2019
Es ist nicht ihr erstes Treffen: Kanzlerin Merkel im Gespr?ch mit Klima-Greta beim UN-Klimagipfel 2019Foto: Steffen Seibert/Bundesregierung / Reuters

Ausschnitt aus dem Kommentar: ?Heute sprechen führende Politiker in der ganzen Welt von einer ,existenziellen Krise‘. Der klimatische Notstand wird auf unz?hligen Panels und Gipfeltreffen diskutiert. Es werden Verpflichtungen eingegangen, es werden gro?e Reden gehalten. Doch wenn es um Taten geht, sind wir immer noch in einem Zustand der Verleugnung. Die Klima- und Umweltkrise wurde noch nie als Krise behandelt.“